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Die Welt, einem Kind erklärt

In Die Illusion des Ich (The Book: On the Taboo Against Knowing Who You Are, 1966) erklärt Alan Watts einem Kind die Welt.

Es hat nie einen Zeitpunkt gegeben, an dem die Welt angefangen hat, weil sie immer wie in einem Kreis herumgeht. Auf einem Kreis gibt es aber keinen Punkt, wo er beginnt. Schau mal auf meine Armbanduhr, die die Zeit angibt: Die Zeiger gehen immer im Kreis herum, und so wiederholt sich die Welt immer wieder. Aber so wie der Stundenzeiger der Uhr mal oben auf zwölf und mal unten auf sechs steht, so gibt es auch Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Leben und Sterben, Sommer und Winter. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich, weil du nicht wissen könntest, was schwarz ist, ehe du es nicht Seite an Seite mit weiß gesehen hast, und umgekehrt. Genauso gibt es Zeiten, in denen die Welt ist, und Zeiten, in denen sie nicht ist, denn wenn sie ohne Rast und Ruhe für immer und ewig weiterlaufen würde, würde sie ihrer selbst vollkommen überdrüssig werden. Sie kommt und geht. In einem Augenblick siehst du sie, in einem anderen Augenblick nicht. Weil sie aber ihrer selbst nicht überdrüssig wird, kommt sie immer wieder zurück, nachdem sie verschwunden ist. Es ist so wie dein Atem: du atmest ein und aus, ein und aus, und wenn du versuchst, die ganze Zeit über den Atem anzuhalten, dann geht es dir sehr schlecht. Es ist auch so wie beim Versteckspiel: es macht nämlich immer Spaß, sich woanders zu verstecken und nach jemandem zu suchen, der sich nicht immer am gleichen Ort versteckt.
Gott spielt auch gern Versteck, aber da es niemanden außer ihm gibt, hat er niemanden, mit dem er spielen kann. Aber dieses Problem bewältigt er, indem er vorgibt, nicht er selber zu sein. So kann man sich vor sich selber verstecken. Er gibt vor, du, ich, alle Menschen auf dieser Welt, alle die Tiere, die Pflanzen, die Steine und die Sterne zu sein. Auf diese Weise erlebt er seltsame und wunderbare Abenteuer, von denen einige fürchterlich und erschreckend sind. Aber sie sind wie schlechte Träume, denn wenn er aufwacht, sind sie weg.
Wenn Gott nun Versteck spielt und vorgibt, du und ich zu sein, dann spielt er es so gut, dass er lange Zeit braucht, bis er sich daran erinnert, wo und wie er sich versteckt hat. Aber genau das bereitet ihm Spaß, ist das, was er tun wollte. Er will sich selber nicht allzu schnell wieder finden, denn damit würde er das Spiel verderben. Das ist auch der Grund dafür, weshalb es für dich und für mich so schwierig ist herauszufinden, dass wir Gott sind, der sich verkleidet hat und vorgibt, nicht er selber zu sein. Aber wenn das Spiel lange genug gedauert hat, wacht jeder von uns auf, hört auf, etwas anderes vorzutäuschen und erinnert sich, dass wir alle ein einziges Selbst sind – der Gott, der alles ist, was es gibt, und der immer und ewig lebt.
Du darfst natürlich nicht vergessen, dass Gott nicht wie ein Mensch aussieht. Die Menschen haben eine Haut, und es gibt immer irgendetwas außerhalb unserer Haut. Wenn es sie nicht gäbe, würden wir gar nicht den Unterschied kennen zwischen dem, was innerhalb unseres Körpers ist, und dem, was außerhalb unseres Körpers ist. Aber Gott hat keine Haut und keine Gestalt, weil es nichts außerhalb von ihm gibt. (Bei einem Kind, das schon intelligent genug ist, veranschauliche ich dies mit Hilfe eines Möbius-Streifens – einem Papierstreifen, der der zu einem Ring zusammengerollt und so verdreht wird, dass er nur eine Seite und einen Rand hat.) Innerhalb und Außerhalb von Gott sind dasselbe. Und obwohl ich von Gott als von »ihm« und nicht von »ihr« gesprochen habe, ist Gott weder ein Mann noch eine Frau. Ich habe nicht »es« gesagt, weil wir »es« normalerweise für Dinge sagen, die nicht leben.
Gott ist das Selbst der Welt, aber du kannst Gott aus demselben Grund nicht sehen, wie du deine eigenen Augen nicht ohne einen Spiegel sehen kannst und wie du dir auch nicht in deine eigenen Zähne beißen oder in deinen Kopf hineinsehen kannst. Dein Selbst ist so geschickt versteckt, weil es Gott ist, der sich versteckt.
Du wirst vielleicht fragen, warum sich Gott manchmal in der Gestalt schrecklicher Menschen versteckt oder vorgibt, Leute zu sein, die unter einer schweren Krankheit oder unter starken Schmerzen leiden. Denke zunächst einmal daran, dass er dies in Wirklichkeit niemandem außer sich selbst antut. Denke auch daran, dass in beinahe allen Geschichten, die dir gefallen, gute wie auch schlechte Menschen vorkommen müssen, denn das Spannende an einer Geschichte liegt darin, dass man verfolgt, wie die guten Menschen über die schlechten Menschen siegen. Es ist so, wie wenn wir Karten spielen. Zu Beginn eines Spiels bringen wir alle Karten in ein Durcheinander, was sich mit den schlechten Dingen auf dieser Welt vergleichen lässt, aber der Witz an dem Spiel ist der, dieses Durcheinander in eine Ordnung zu bringen, und derjenige, der dies am besten tut, ist der Gewinner. Dann mischen wir die Karten wieder und machen ein neues Spiel, und genauso geht es mit der Welt.

Dieser Geschichte vorangestellt findet sich folgender Text:

Auf der einen Seite heißt Mythos Fabel, Unwahrheit oder Aberglaube. Auf der anderen Seite liefert aber ein Mythos ein nützliches und ergiebiges Bild, mit dem wir uns das Leben etwa in derselben Art und Weise erklären können wie elektrische Kräfte durch den Vergleich mit dem Verhalten von Wasser oder Luft. Doch darf man einen »Mythos« in diesem zweiten Sinn nicht wörtlich nehmen, wie man auch die Luft oder das Wasser nicht mit Elektrizität verwechseln darf. Wenn man also einen Mythos verwendet, muss man acht geben, dass man nicht ein Bild mit einer Tatsache verwechselt, was etwa damit zu vergleichen wäre, dass man auf einen Wegweiser klettert, statt der Straße zu folgen.
Der Mythos ist also die Form, in der ich zu antworten versuche, wenn Kinder mir die grundlegenden metaphysischen Fragen stellen, die ihnen so schnell in den Sinn kommen: »Wo kommt die Welt her?« »Warum hat Gott die Welt erschaffen?« »Wo war ich, bevor ich geboren wurde?« »Wo gehen die Menschen hin, wenn sie sterben?« Ich habe immer wieder festgestellt, dass sie mit einer einfachen und sehr alten Geschichte zufrieden zu sein scheinen, die etwa folgendermaßen lautet: ...

Nach der (oben vollständig zitierten) Geschichte setzt sich der Text dann so fort:

Diese Geschichte hat einen offensichtlich mythischen Charakter und ist nicht als eine wissenschaftliche Beschreibung der Dinge, wie sie sind, gedacht. Mit Hilfe der Analogien des Spiels und des Dramas und unter Verwendung des abgenutzten Wortes »Gott« für einen Spieler will die Geschichte nur ein Gleichnis dafür sein, wie die Dinge sind. Ich benutze sie in demselben Sinn wie Astronomen, die einen schwarzen Luftballon mit weißen Flecken (für die Galaxien) aufblasen, um damit das expandierende Universum zu erklären. Aber für die meisten Kinder und für viele Erwachsene ist dieser Mythos sofort verständlich, einfach und faszinierend. Im Gegensatz dazu gibt es so viele andere mythische Erklärungen der Welt, die roh, umständlich und uneinsichtig sind.

Zu guter Letzt hier noch ein letzter Abschnitt aus diesem Buch:

Ludwig Wittgenstein und andere moderne »logische« Philosophen haben versucht, diese Frage zu unterdrücken, indem sie sagten, sie hätte keinen Sinn und dürfe deshalb nicht gestellt werden. Die meisten philosophischen Probleme soll man dadurch lösen, dass man sich von ihnen befreit, indem man zu dem Punkt kommt, an dem man einsieht, dass solche Fragen wie: »Warum dieses Universum?« eine Form einer intellektuellen Neurose seien, ein Missbrach von Worten, der sich daraus ergibt, dass die Frage zwar vernünftig klingt, aber eigentlich genauso sinnlos ist wie die Frage: »Wo ist dieses Universum?«, wenn doch alle Dinge, die überhaupt irgendwo sind, doch irgendwo innerhalb des Universums sein müssen. Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, die Leute von solchen Verwirrungen des Geistes zu kurieren. Wittgenstein hatte, wie wir sehen werden, in dieser Beziehung nicht unrecht. Dennoch ist man nicht krank, wenn man staunt und solche Fragen stellt. Dieses Staunen und die Art, wie es sich in der Dichtung und den Künsten niedergeschlagen hat, gehört zu den bedeutendsten Dingen, die uns offenbar von anderen Tieren unterscheiden und die intelligente und feinfühlige Personen von einfältigen Menschen trennen.

Watts hat so recht mit der Bedeutung des Staunens, irrt aber gewaltig, was die Tiere angeht, und schert zu Unrecht alle anderen als die »feinfühligen« Menschen über einen Kamm. Denn gerade Tiere und ein Teil der von ihm als »einfältig« titulierten Menschen sind oft sogar noch viel mehr zu elementarem Staunen fähig als viele der »feinfühligen«, bei denen es nur allzu oft eher einer scheuklappenbewehrten Anbetung der eigenen (menschlichen) Werke gleicht.
Es ist so typisch für den Menschen, dass er, als einziges fühlendes Wesen, das es geschafft hat, das Staunen zu verlernen, es, sobald er es wiedergefunden hat, als sein alleiniges Eigen betrachtet.
Was Watts als »Staunen« bezeichnet ist eher die Bewunderung der Fähigkeit des Menschen, über die Dinge, die ihn umgeben, nachzudenken, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, als die wortlose und so still oder euphorisch werden lassende, elementare »Verzückung«, die fühlende Wesen beim Erleben so vieler Dinge überkommt - wenn kein denkendes Selbst da ist oder es schweigt...

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