The Cookie Plan
Hier ein schönes Beispiel, warum ich Hilary Hahn (unter anderem) so liebe... Die größte virtuose Künstlerin, die dieser Planet gesehen hat, seit es Tonträger gibt - und dabei so menschlich, humorvoll, "normal" geblieben - einfach nur wundervoll...
(Aus Hilary Hahn's Journal - allerwärmstens zum Lesen empfohlen!)
Wer mehr sehen möchte - hier die Aufzeichnung einer dänischen TV-Show mit Hilary als einzigem Gast.
Dear Readers,
Not sure of what my food situation would be on my first trip to South America, I packed various items in my luggage before leaving the States. Rice cakes, canned tuna, etc. As it turned out, I needn't have worried. A few days into the trip, digging in my suitcase for socks, I discovered two boxes of my favorite brand of cookie lying neglected under some folded clothes. Excited, I counted them, and as it turned out, the number of cookies I'd brought exactly matched the number of days left on the tour. This was perfect! I resolved to eat one cookie per day, as a way of checking off each day as it drew to a close.
Four days in to the cookie plan, I had a tremendous urge to eat three at a sitting. I wondered what this would accomplish. I could imagine several scenarios. Either I would somehow manage to magically erase two days from the trip, or I would have to spend a few days without the evening cookie-ritual I was coming to enjoy, or I would run out before the end of the tour. Considering these options and finding none satisfactory, I closed up the box and ran a tally to make sure my cookie count was on target. It was. There was something neat about the symmetry, so I stuck with the plan, finishing the last cookie on the last evening and flying back to the States the next morning for a fresh supply.
Hilary
Not sure of what my food situation would be on my first trip to South America, I packed various items in my luggage before leaving the States. Rice cakes, canned tuna, etc. As it turned out, I needn't have worried. A few days into the trip, digging in my suitcase for socks, I discovered two boxes of my favorite brand of cookie lying neglected under some folded clothes. Excited, I counted them, and as it turned out, the number of cookies I'd brought exactly matched the number of days left on the tour. This was perfect! I resolved to eat one cookie per day, as a way of checking off each day as it drew to a close.
Four days in to the cookie plan, I had a tremendous urge to eat three at a sitting. I wondered what this would accomplish. I could imagine several scenarios. Either I would somehow manage to magically erase two days from the trip, or I would have to spend a few days without the evening cookie-ritual I was coming to enjoy, or I would run out before the end of the tour. Considering these options and finding none satisfactory, I closed up the box and ran a tally to make sure my cookie count was on target. It was. There was something neat about the symmetry, so I stuck with the plan, finishing the last cookie on the last evening and flying back to the States the next morning for a fresh supply.
Hilary
(Aus Hilary Hahn's Journal - allerwärmstens zum Lesen empfohlen!)
Wer mehr sehen möchte - hier die Aufzeichnung einer dänischen TV-Show mit Hilary als einzigem Gast.
Sie war das letzte Märchen, die letzte Wirklichkeit ... in einer Welt der Mediokrität und der Perfektion
Ich habe mich immer gewundert, dass diejenigen, die Maria Callas gehört haben, nicht darüber hinweg gekommen sind, in ihr eine außerordentliche, allen Fährnissen unterworfene Stimme zu hören. Es hat sich wohl nicht nur um eine Stimme gehandelt, oh keineswegs, in einer Zeit, in der so viele ausgezeichnete Stimmen zu hören waren. Maria Callas ist kein »Stimmwunder«, sie ist weit davon entfernt, oder sehr nah davon, denn sie ist die einzige Kreatur, die je eine Opernbühne betreten hat. Ein Geschöpf, über das die Boulevardpresse zu schweigen hat, weil jedes seiner Sätze, sein Atemholen, sein Weinen, seine Freude, seine Präzision, seine Lust daran, Kunst zu machen, eine Tragödie, die zu kennen im üblichen Sinn nicht nötig ist, evident sind. Nicht ihre Koloraturen, und sie sind überwältigend, nicht ihre Arien, nicht ihre Partnerschaft allein ist außerordentlich, sondern allein ihr Atemholen, ihr Aussprechen. M[aria] C[allas] hat eine Art, ein Wort auszusprechen, so, dass jedem, der nicht jedes Gehör verloren hat, aus Abgestumpftheit oder Snobismus, immer auf der Jagd nach frischen Sensationen des lyrischen Theaters [---] sie wird nie vergessen machen, dass es Ich und Du gibt, dass es Schmerz gibt, Freude, sie [ist] groß im Hass, in der Liebe, in der Zartheit, in der Brutalität, sie ist groß in jedem Ausdruck, und wenn sie ihn verfehlte, was zweifellos nachprüfbar ist in manchen Fällen, ist sie noch immer gescheitert, aber nie klein gewesen. Sie kann einen Ausdruck verfehlen, weil [sie] weiß, was Ausdruck überhaupt ist.
Sie war zehn oder mehr Male groß, in jeder Geste, in jedem Schrei, in jeder Bewegung, sie war, was <...> an die Duse denken lässt: ecco una artista. Sie hat nicht Rollen gesungen, niemals, sondern auf der Rasierklinge gelebt, sie hat ein Rezitativ, das altbacken schien, neu gemacht, ach nicht neu, sie war so gegenwärtig, dass alle, die ihr die Rollen geschrieben haben, von Verdi bis Bellini, von Rossini bis Cherubini, in ihr nicht nur die Erfüllung gesehen hätten, sondern weitaus mehr.
Ecco una artista, sie ist die einzige Person, die rechtmäßig die Bühne in diesen Jahrzehnten betreten hat, um den [Zuhörer] unten erfrieren, leiden, zittern zu machen, sie war immer die Kunst, ach die Kunst, und sie war immer ein Mensch, immer die Ärmste, die Heimgesuchteste, die Traviata.
Sie war, wenn ich an das Märchen erinnern [darf], die natürliche Nachtigall dieser Jahre, dieses Jahrhunderts, und die Tränen, die ich geweint habe – ich brauche mich ihrer nicht zu schämen. Es werden so viele unsinnig geweint, aber die Tränen, die der Callas gegolten – sie waren so sinnlos nicht. Sie war das letzte Märchen, die letzte Wirklichkeit, deren ein Zuhörer hofft, teilhaftig zu werden.
Sie hat immer direkt getroffen, auf den Umwegen über Libretti, über Figuren, zu denen man Liebe haben muss, um sie akzeptieren zu können. Sie war der Hebel, der eine Welt umgelegt hat, zu dem Hörenden, man konnte plötzlich durchhören, durch Jahrhunderte, sie war das letzte Märchen.
Es ist sehr schwer oder sehr leicht, Größe anzuerkennen. Die Callas – ja, wann hat sie gelebt, wann wird sie sterben? – ist groß, ist ein Mensch, ist unvertraut in einer Welt der Mediokrität und der Perfektion.
Ingeborg Bachmann, Hommage à Maria Callas
Entwurf, aus: Ingeborg Bachmann, Werke, Band 4, Seite 342 f., R. Piper Co. Verlag, München 1978
Danke, Maria

Dafür, dass du uns die mit Abstand beste, sinnvollste und vor allem schönste greifbare Definition vom Göttlichen gegeben und für alle Zeiten in die Sinne gebrannt hast...
Labels: allesandere, allesandere-10, callas, musik


