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Schatten

Sommer
da liegen sie
Ölsardinen
augenkneifend
auslaufend
bratend
fettbeschmiert
oder scharlachrot

Ich sitze daneben
im Paradies
wo ich dich sehe
Sonne
doch du mich nicht

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Bald

wird pissen
müssen
heißen.

Dann wird man sagen:
Ich muss mal müssen.

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Menschen

Wir wähnen uns
die
Herren.

Wir führn uns auf
wie
Narren.

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Gedicht

... ohne Fußnoten¹.

¹ OK, gelogen.

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Liebe

Dass die eine Hälfte der Menschen
sich unwiderstehlich
hingezogen fühlt
zur anderen Hälfte
ist ein echt geiles Konzept.

Danke
Gott
oder wer
oder was
auch immer.

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Kleine Frau

im SUV.
Handy am Ohr
High Heels von Dior.

Ein Ball
Ein Junge
Er rennt



The End.

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Ein Lebewesen namens Menschheit

Ich habe das Paradies gesehen
das Paradies auf Erden.
Es war wundervoll
ich hätte es gegen nichts
eintauschen wollen
diese Freiheit
dieses Wissen
dieses Gefühl
von Einheit
mit allen
und allem
von Schönheit
Klarheit
Leben
Liebe
überall
und jederzeit.

Doch dann
irgendwann
erkannte ich
nach und nach
dass ich der Einzige bin.
Und alle Versuche
dies zu ändern
zum Scheitern verurteilt sind.
Zu festgefahren
zu eingebläut
zu anerzogen
zu angeboren
dieses Verhalten
beim Menschen
zu folgen
zu gehorchen
zu glauben
zu meinen
und bei alledem
ein von den anderen
getrenntes
Etwas
zu sein.

Und da bin ich nun.
In der Hölle
der Anderen
in der jeder Einzelne
glaubt
ein unvergängliches
körperloses
Etwas
zu sein
und darüber
nicht bemerkt
nicht spürt
nicht erkennt
(dass es eine unbestreitbare und
unwiderlegbare Tatsache ist)
dass das wahre
unvergängliche
körperlose
und körperliche
Etwas
nicht der Mensch ist
sondern
die Menschheit.

Ein einziges ewiges Leben
aus Milliarden Leben
aus Milliarden Körpern
aus Milliarden Hirnen
an allen Orten
in allen Zeiten.

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Mama

Mama
du wünschst dir Enkel.

Hier
sieh
gerade geboren
ein Mädchen?
ein Junge?
nein!
ein
...
Gedicht.

Frucht der Lenden
meines zeugungswilligen
Hirns.

Nach dir benannt.

Und schon bald
bekommt es
eine Menge
Geschwister.

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Einsekundenliebe

Ein spontanes
offenes
herzliches
ein wenig lüsternes
und irgendwie verstehendes
verbindendes
Lächeln
einer wundervollen
anziehenden
intelligenten
Frau
an der Supermarktkasse.

Kein Millionär
kein Billionär
kein Präsident
kein General
kein Blender
kein Verschwender
kein Bedroher
kein Casanova
wird je
dieses Wunder
erkaufen
erzwingen
oder sonstwie
erringen.

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Breit wie Bukowski in Philly

Keine Arbeit heute
Fante gelesen und
Hemingways Erstling
Sturmfluten des Frühlings
Diskussion angefacht
mit Freunden, online
aber irgendwann
(ich war gestern
schon drinnen
versackt)
wollte ich
musste ich
raus
Luft schnappen
Sonne tanken
Bier holn
und sitzen
an Lieblingsplätzen.

Der Teich an der Autobahn
die Grillen
so laut wie die Autos
das Wasser
so still wie mein Hirn
eine Wurzel als Thron
ein billiges Bier
(billig aber gut,
schlechtes Bier
geht gar nicht,
niemals)

Da kam ein Pärchen
nett
jung
er sportlich
sie robust
mit Rottweiler
wie jeder Hund
ein Bild seiner Menschen
ein gutes Tier.
Ein Ast
ein Monstrum
zwei Meter lang
ins Wasser geworfen
das glückliche Tier
hinterher
verbeißt sich drin
zieht ihn umher
knabbert daran
mal hier
mal da
schält Rinde
zerkaut das Ende
und als sie gingen
nahm er ihn mittig
schleppte ihn mit
Seiltänzer auf
vier Beinen.

Kennt ihr das
wenn euer Gesicht
verzerrt ist
minutenlang
zu lautlosem Lachen
so breit wie Bukowski in Philly
so lang wie eine Bierschiss am Morgen
unabwendbar wie menschliche Dummheit
stummes Lachen
Gesicht verzerrt
von Lebensfreude
übergesprungen
von Kreatur
auf Kreatur.

Die Wangen schmerzen
noch lange danach.
Wer diesen Schmerz nicht kennt
hat nie gelacht.

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Lyrik

Da draußen und
da drinnen
in euch
ist so viel Scheiße
ihr tretet rein
mit jedem Schritt
und wenn ihr mal danebentretet
merkt ihrs nicht
und der scheißefreie Fleck
ist jetzt auch
mit Scheiße bedeckt.
Aber eure Köpfe sind
hochnäsig in den Wolken
so dass ihr all die Scheiße
nicht riecht,
eure Münder plappern ununterbrochen
prätentiöses
beifallheischendes
unterwürfiges
auswendiggelerntes
belangloses
langweiliges
dummes Zeug
so dass ihr all die Scheiße
nicht schmeckt,
eure Augen hängen an
Smartphones und Schaufenstern
eure Gedanken bei
nichtigen Luxusproblemchen in euren
nichtigen Köpfen
so dass ihr all die Scheiße
nicht seht.

Scheiße in den Büchern
Scheiße in den Zeitungen
Scheiße im Radio
Scheiße im Internet
Scheiße im Fernsehen
Scheiß vernetzte Welt
sprachloser denn je
Scheiß Beziehungen
Komödie und Trauerspiel
Scheiß Erziehung
Tod des Menschen noch im Kinde
Scheiß Wirtschaft
Scheiß Politik
Scheiß Gesetzesflut
Scheiß Aggressivität
Scheiß Passivität
Scheiß Nachplappern
Scheiß Löffelweisheit
Scheiß Kleingeister
Scheiß Großdenker
Scheiß Intoleranz
Scheiß Toleranz
Scheiß Unvernunft
Scheiß Lemminge

Gute Lyrik
muss euch
wie einen Hund
mit der Schnauze in den
großen Haufen Scheiße
drücken
dass ihr den
großen Haufen Scheiße
riecht
seht
schmeckt
und nie mehr vergesst.

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Ich

Bier.
Whisky, Wodka, und ein Fahrrad.
liegen, ruhen, lesen.
allein.
nicht: einsam.
Wind, und Kälte, Regen, Schnee, dann Wärme, Wärme, und der breite Sessel.
Pasta, Brot, und Anti
Pasti, und natürlich, täglich,
Chips.
lesen, denken, lesen, schreiben.
Schlaf! Tee am Morgen, göttlich
Schiss
und der Tag
beginnt,
mal im Bett,
gammeln,
mal da draußen,
Arbeit,
ackern, treten, heben, grinsen, fluchen, jauchzen, nicht mehr wollen!
immer: weiter!
nie: aufgeben!
das war's noch nicht,
da ist noch was
zu tun.

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Große Sonnenbrille

Da ist sie wieder
mal, die kleine dicke
Frau, schiebt ihr
Fahrrad und hinten dran wie
ein aufgeblasener Biberschwanz
der Anhänger, vollbepackt
mit sonstwas.

Sie ist alt, ich weiß nicht
wie alt genau, nicht mehr
jung auf jeden Fall, viel
sieht man eh nicht von ihr,
mehrere Schichten dicke
Klamotten, Schirmmütze, große
Sonnenbrille.

Ich hab sie noch nie
betteln sehn, noch
nie mit jemand sprechen.
Sie wirkt nie besonders
fröhlich oder traurig.
Sie schiebt einfach nur
den ganzen Sommer
ihr Gespann an der
Ostseeküste lang.

Große Sonnenbrillen
sind gerade Mode,
schreckliche Dinger,
verdecken die Augen
der Satten,
die ihr hinterherschaun
und dann ganz schnell
wieder zurück zu der
zweitausend Euro
Handtasche im Schaufenster.

Sie haben schon genug,
satt, immer,
aber sie kaufen trotzdem,
immer mehr,
immer wieder,
nimmersatt,
sie haben nichts besseres zu tun,
sie müssen sich davon
ablenken,
dass das einzige,
das sie in ihren
leeren Köpfen und verschrumpelten Herzen
noch wirklich bewegt, die
Angst
ist, die vor ihrem
Tod.

Ich schnappe mir drei Zeitungen
und gehe in den Laden und
lege sie auf den Tresen neben
die zweitausend Euro und bin
schon wieder draußen und sehe
die kleine Frau gerade noch um
die nächste Ecke verschwinden.

Bis bald.

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